Geschätzte Bürgerinnen und Bürger, liebe Jugend!
Am 12. November konnte das fertig geplante Projekt für einen 100-jährigen Hochwasserschutz für
Markersdorf, Mitterau und Prinzersdorf bei einem Informationsabend im Gasthaus Kleemann der
Bevölkerung vorgestellt werden. Viele Jahre der gemeinsamen Planung mit der Nachbargemeinde
Prinzersdorf wurden durch die Experten des Planungsbüros und den Vertreter der zuständigen Landesabteilung
präsentiert und mit der Bevölkerung diskutiert.
Die fertigen Einreichunterlagen haben mehr als 500 Seiten und im Genehmigungsverfahren haben
600 Grundeigentümer Parteienstellung – das zeigt die Dimension und Komplexität des Gesamtprojektes.
Obwohl rund 140 Personen bei der Veranstaltung anwesend waren, konnten natürlich nicht
alle Gemeindebürgerinnen und -bürger dabei sein, weshalb ich noch einmal auf die wichtigsten Fragen
eingehen möchte:
Wann wird der 100-jährige Hochwasserschutz Realität?
Der wasserrechtliche Experte der zuständigen Landesabteilung hat bei der Veranstaltung eine Förderung
innerhalb der nächsten 5 Jahren als realistisch in Aussicht gestellt. Mir als Bürgermeister ist
dieser Zeithorizont erstens zu lange und zweitens zu unkonkret. Ich habe deshalb umgehend Kontakt
mit den Büros unserer Landeshauptfrau Mikl-Leitner und LH-Stv. Pernkopf aufgenommen und
um einen Termin gebeten. Dabei möchte ich ein klares politisches Bekenntnis seitens des Landes
NÖ für eine möglichst rasche Umsetzung unseres Projektes erreichen. Sobald alle notwendigen
Unterschriften von den Grundeigentümern vorliegen und damit auch die Genehmigungsverfahren
abgeschlossen werden können, muss das Projekt gebaut werden - je früher
desto besser.
Welche Maßnahmen sind geplant?
Das Projekt sieht an den Ortsrändern von Markersdorf und Prinzersdorf Dämme vor. Auf Markersdorfer
Seite wird der Damm eine Länge von rund 800 Meter haben und eine Höhe von bis zu ca. 3
Metern beginnend beim Anschluss an die Westbahntrasse und abfallend verlaufend Richtung Aufeldgasse.
Da dadurch dem Wasser viel Fläche zur Ausbreitung genommen wird, muss dieser Verlust
an Retentionsraum ausgeglichen werden. Dazu werden rund 30 Hektar Ackerland im Abflussbereich
um rund einen Meter abgesenkt. Die Flächen können weiter als landwirtschaftliche Flächen
genutzt werden. Die Grundeigentümer werden entschädigt, bleiben aber Eigentümer der Flächen
und können sie weiter bewirtschaften. Um genügend Wasserdurchfluss sicherzustellen, muss unter
der Westbahn ein neues Brückenbauwerk im Ausmaß von 6 m x 3,5 m auf Höhe des heutigen
„Schemmeldurchlass“ errichtet werden. Die Dämme an den Ortsrändern erhalten Dichtkerne aus
Lehm, um die Auswirkungen auf den Fluss der Grundwasserströme zu minimieren.
Wie viel werden die Maßnahmen kosten?
Die aktuelle Kostenschätzung der Experten geht von 22 Mio Euro aus. Ein 100jähriges Hochwasserschutzprojekt
wird zu 50% vom Bund, zu 30% vom Land NÖ und zu 20% von den beiden Projektgemeinden
Markersdorf-Haindorf und Prinzersdorf finanziert. Als Markersdorf-Haindorf haben
wir in den letzten Jahren ein Sparbuch angespart und somit entsprechend für unseren Finanzierungsanteil
ausreichend vorgesorgt.
Um dieses Sparbuch nicht für die Sanierung der gemeindeeigenen Hochwasserschäden aufbrauchen
zu müssen, haben wir als Sofortmaßnahme nach der Hochwasserkatastrophe den Neubau
des Bauhofes gestoppt. Damit werden finanzielle Mittel von rund 1,5 Mio Euro für die Sanierung unserer
Hochwasserschäden frei.
Hätte uns der 100-jährige Hochwasserschutz vor dem Ereignis im September geschützt?
Der Blick in die Nachbargemeinden im Pielachtal zeigt, dass die 100-jährigen Hochwasserschutzbauten
teilweise nicht ausgereicht haben. Die Pielach hat mehr Wasser geführt – die Berechnungen
seitens der Experten des Landes NÖ laufen noch, aber wir bewegen uns im Bereich eines 200- bis
300-jährigen Ereignisses. Aber der 100-jährige Hochwasserschutz hätte mit Sicherheit die Situation
entschärft und somit auch geholfen.
Für das konkrete Projekt Markersdorf-Mitterau-Prinzersdorf zeigt sich bei dieser Hochwasserkatastrophe
vor allem, dass sich die virtuellen Berechnungen, was Wasserausbreitung und Pegelstände
betrifft, mit dem tatsächlichen Verhalten des Wassers decken. Das bedeutet, dass auch die geplanten
Maßnahmen für ein 100-jähriges Hochwasser greifen werden.
Trotzdem muss uns bewusst sein: : Es gibt keinen 100-prozentigen Schutz gegen eine Naturkatastrophe
wie diese jetzt im September eine war. Wir haben daher einstimmig im Gemeinderat zusätzlich
auch eine Versicherungslösung für eine 100% Absicherungsmöglichkeit des finanziellen Schadens
von der Bundesregierung und Landesregierung gefordert.
Wäre es nicht besser, überregional zu planen – wenn wir mehr Wasser weiterschicken oder
an uns weitergeschickt wird, verschiebt sich das Problem doch nur?
Sicherlich wäre eine überregionale Planung besser. Als ich 2010 Bürgermeister wurde, habe ich
deshalb auch eine Initiative im Pielachtal gestartet: die Erstellung einer Studie „Hochwasserschutz
mittleres Pielachtal“. Daraus ist leider kein gemeinsames Projekt geworden, aber aufbauend darauf
haben wir gemeinsam mit Prinzersdorf zu planen begonnen und 2012 einen gemeinsamen Hochwasserausschuss
mit Gemeinderäten aus beiden Gemeinden eingerichtet.
Da schon bei der Erstellung der Studie Dämme bei Markersdorf und Prinzersdorf beabsichtigt waren,
wurde dieses Vorhaben bei weiteren Planungen berücksichtigt. So wurden z.B. die Auswirkungen
durch Errichtung dieser Dämme schon bei der Errichtung des Hochwasserschutzes Haunoldstein
berücksichtigt.
Um ein 100-jähriges Hochwasserschutzprojekt wasserrechtlich bewilligt zu bekommen, darf sich die
Situation für andere bebaute Gebiete im nachfolgenden Flussbereich nicht verschlechtern. Das
heißt, es darf nur zu geringfügigen Änderungen des Abflusses kommen. Ziel von modernen Schutzplanungen
ist es, möglichst viel Wasser vor Ort zurückzuhalten, um Verschlechterungen im Unterlauf
zu vermeiden. Das heißt, dass Projekte im Oberlauf der Pielach nur bewilligt werden, wenn es
im Falle eines 100-jährigen Hochwassers keine negativen Auswirkungen auf die Unterlieger, und
damit auch unsere Gemeinde gibt. Genauso bedeutet das aber auch, dass wir das Wasser nicht
einfach weiterschicken dürfen. Die geringfügige Abflussänderung durch unsere geplanten Maßnahmen
wurden bereits beim Hochwasserschutzprojekt in Haunoldstein berücksichtigt.
Warum wurde der 100-jährige Hochwasserschutz nicht schon früher umgesetzt ?
Das Thema Hochwasser beschäftigt den Gemeinderat von Markersdorf-Haindorf bereits seit Jahrzehnten.
2012 konnte auf meine Initiative hin erstmals ein gemeinsamer Hochwasserausschuss mit
der Gemeinde Prinzersdorf eingerichtet werden, denn der Schutz vor einem 100-jährigen Hochwasser
kann nur gemeindeübergreifend realisiert werden. Viele verschiedene Varianten wurden überlegt
und geprüft.
Hydrologische und geologische Untersuchungen sind für ein solches Projekt notwendig, ebenso wie
die Gespräche mit zahlreichen Grundeigentümern. Ein beeideter landwirtschaftlicher Sachverständiger
wurde beauftragt, den Grundwert und davon abgeleitet die Entschädigungssummen zu berechnen.
Die Entschädigungsgrundlagen und die Art und Weise der Berechnung müssen für alle Grundeigentümer
gleich sein. Es gibt hier keinen Verhandlungsspielraum. Ab 2017 wurden dann die Gespräche
mit den Grundeigentümern geführt, auf deren Grundstücken Hochwasserschutzmaßnahmen
getroffen werden. Viele Gespräche konnten zu einem positiven Abschluss gebracht werden.
Einige Zustimmungserklärungen sind noch ausständig.
In Abstimmung mit der Wasserrechtsbehörde BH St. Pölten habe ich erreicht, dass wir trotzdem das
Projekt einreichen können, um die Projektprüfung zu starten. Gleichzeitig bemühen sich Bürgermeister
Rudi Schütz und ich weiter um die fehlenden Zustimmungserklärungen.
Parallel zu den Planungen an einem 100-jährigen Hochwasserschutz wurden alle Maßnahmen ergriffen,
die unsere Gemeinde allein setzen konnte: Anschüttung des Ackers neben dem Kindergarten,
mobiler Hochwasserschutz in der Grenzgasse, Damm im Bahngraben, Durchstich in der Bahnunterführung
sowie der Abzugsgraben entlang der Landesstraße zwischen Bahnhaltestelle Markersdorf
und Bundesstraße.
All diese Maßnahmen wurden schrittweise von 2007 bis 2015 gesetzt und hatten uns bis zum 15.
September 2024 vor großflächigen Überflutungen wie 1997 oder 2006 bewahrt Die notwendigen Investitionen
dazu wurden allein von der Gemeinde Markersdorf-Haindorf getragen – Land und Bund
fördern nämlich nur 100-jährige Hochwasserschutzmaßnahmen. In Summe hat die Gemeinde seit
2007 mehr als 1 Million Euro in Hochwasserschutzmaßnahmen investiert.
Können wir die geplanten Dämme nicht etwas höher aufschütten, um uns vor einem Ereignis
wie im September zu schützen?
Nein. Bund und Land fördern lediglich 100-jährige Maßnahmen. Ohne der 80-prozentigen Förderung
sind die notwendigen Maßnahmen für die Gemeinden Markersdorf-Haindorf und Prinzersdorf
unmöglich finanzierbar und darüber hinaus würden höhere Dämme das Wasser in andere (bebaute)
Bereiche fließen lassen. Das bedeutet, wir würden dafür auch keine wasserrechtliche Bewilligung
bekommen können.
Warum baggern wir den Schotter in der Pielach nicht einfach tiefer aus oder errichten
Dämme direkt am Fluss?
Flüsse sind komplexe Systeme die sich aus Wassermenge, Fließgeschwindigkeit und mitgeführtem
Geschiebe zusammensetzen. Tieft sich die Pielach weiter ein, würde der Grundwasserspiegel absinken,
Brunnen trockenfallen und die Ökologie des Flusses in schwere Mitleidenschaft gezogen
werden. Als Alpenvorlandfluss ist der Schotteruntergrund charakterbildend, das bedeutet der Fluss
holt sich den neuen Schotter bei jedem jährlichen Hochwasser zurück und füllt das Bett wieder auf.
Außerdem wäre keine so große Eintiefung möglich, um ein 100-jähriges Ereignis zu verhindern. Da
in den vergangenen Jahrzehnten im Oberlauf der Pielach massiv eingegriffen wurde und sich das
Bachbett im Bereich Weinburg-Ober-Grafendorf immer tiefer eingräbt, läuft dort heute ein großangelegtes
Renaturierungsprojekt.
Eine „Kanalisierung“ der Pielach, wie wir sie von früher oder von den Flüssen im Tullnerfeld kennen,
ist nicht mehr Stand der Technik. Die Fördergeber schreiben vor, dass dem Fluss möglichst viel Retentionsraum
gegeben werden muss. Aufgrund unserer flachen Landschaft bedeutet das, dass die
Dämme nahe am Siedlungsgebiet zu errichten sind.
Was passiert, wenn uns noch einmal ein Hochwasser erwischt – bevor das Projekt fertiggestellt
ist?
Wir arbeiten auch mit Hochdruck daran, einen neuen mobilen Hochwasserschutz für die Grenzgasse
anzuschaffen, um die Lücke im bestehenden Schutz wieder zu schließen. Dazu bin ich im
Austausch mit unserer freiwilligen Feuerwehr, um das bestmögliche System anzuschaffen. Diese
Neubeschaffung ist notwendig, da der mobile Hochwasserschutz bei der Hochwasserkatastrophe im
September irreparabel beschädigt wurde.
Die bestehenden Maßnahmen haben uns in den letzten Jahren vor großflächigen Überflutungen geschützt,
um einen besseren Schutz zu bekommen braucht es jedoch das 100-jährige Hochwasserschutzprojekt.
Ich setze mich deshalb mit ganzer Kraft dafür ein, das Projekt schnellstmöglich umzusetzen.
Ich möchte aber auch den Aspekt der Eigenvorsorge hervorheben: Prüfen Sie, wo es in ihrem Haus
zu Wassereintritt kommen könnte und wie sie sich schützen können. Treffen sie Vorsorge, bevor es
wieder zu einem Naturereignis kommt. Unter https://zivilschutz.at oder http://www.noezsv.at finden
Sie dazu weiterführende Informationen.
An der Sierning gab es nun innerhalb weniger Jahre zwei Jahrhundertereignisse. Sind hier
Verbesserungen geplant?
Nach der Hochwasserkatastrophe 2020 im Sierningtal wurde durch den Sierningwasserverband
eine überregionale Detailanalyse beauftragt. Grundsätzlich ist die Sierning durch die Regulierung
sicherer vor Hochwasser als die Pielach. Trotzdem werden auch hier Maßnahmen notwendig sein,
um eine Verbesserung herbeizuführen.
Ich verspreche Ihnen, mich weiterhin mit ganzer Kraft dafür einzusetzen, dass wir so schnell als
möglich das eingereichte Hochwasserschutzprojekt für Markersdorf, Mitterau und Prinzersdorf umsetzen
können.
Ich bitte alle um die entsprechende Unterstützung, halten wir zusammen und arbeiten wir gemeinsam
für die Sicherheit unserer Gemeinde.
Ich werde Sie wie gewohnt über die weiteren Entwicklungen zeitnahe informieren.
Fritz Ofenauer
Bürgermeister